Strom- und Gaspreise unter Druck: Beschaffungsrisiken bleiben erhöht

Die europäischen Energiemärkte starten mit erhöhtem Preis- und Risikoniveau in den September. Treiber sind neben geopolitischen Spannungen vor allem niedrige Gasspeicherstände, eine eingeschränkte LNG-Verfügbarkeit und Wartungen in der norwegischen Gasproduktion.

Steigende Gas- und CO₂-Preise sowie die Verfügbarkeit von Wind-, Wasser- und Kernkraft wirken sich dabei direkt auf die Stromterminmärkte und damit auf die künftigen Beschaffungskosten österreichischer Unternehmen aus.

Nahost-Konflikt bleibt zentraler Risikofaktor

Im Mittelpunkt steht weiterhin die Situation rund um die Straße von Hormus. Während sich die Öltransporte zuletzt teilweise erholen konnten, bleibt die Situation beim Flüssigerdgas deutlich angespannter.

Das ist für Europa besonders relevant. Seit dem starken Rückgang russischer Pipelinegaslieferungen infolge des Ukrainekrieges hat LNG für die europäische Gasversorgung erheblich an Bedeutung gewonnen. Störungen oder Unsicherheiten bei Lieferungen aus dem Nahen Osten wirken daher heute wesentlich unmittelbarer auf den europäischen Gasmarkt.

Der Markt bewertet damit nicht nur tatsächlich fehlende Mengen, sondern zunehmend auch das Risiko weiterer Lieferunterbrechungen.

Gasspeicher erhöhen den Druck vor dem Winter

Zusätzlich bleibt die Einspeicherung schwächer als in den vergangenen Jahren. Ende August lagen die europäischen Speicher laut dem vorliegenden Marktbericht bei rund 65 %, Deutschland nur bei knapp 53 %. Damit liegt das Speicherniveau deutlich unter dem Vorjahr und unter dem langjährigen Durchschnitt.

Gleichzeitig beginnt die saisonale Wartungsphase wichtiger norwegischer Gasfelder. Damit treffen geringere Speicherreserven auf temporär eingeschränkte Pipelinekapazitäten und einen weiterhin angespannten internationalen LNG-Markt.

Diese Kombination erhöht insbesondere mit Blick auf den kommenden Winter die Risikoprämien in den Terminpreisen.

Gas, CO₂ und Erzeugung treiben auch den Strompreis

Für den Strommarkt bleibt Gas ein wesentlicher Preisfaktor. Gaskraftwerke werden insbesondere bei geringer erneuerbarer Erzeugung zur Deckung der Nachfrage benötigt und können dann den Marktpreis bestimmen.

Hinzu kommen CO₂-Zertifikate sowie stark schwankende Erzeugungsmengen aus Wind, Photovoltaik und Wasserkraft. Im Sommer führte unter anderem eine geringere Wasser- und Windkrafterzeugung zusammen mit einer zeitweise schwächeren französischen Kernkraftverfügbarkeit zu einem höheren Einsatz von Gaskraftwerken.

Für Österreich kommt ein weiterer Punkt hinzu: Der österreichische Strompreis kann sich zeitweise deutlich vom deutschen Markt abkoppeln. Der Bericht zeigt für einzelne Spotmarkttage erhebliche Preisaufschläge Österreichs gegenüber Deutschland. Auch die österreichischen Jahreskontrakte notieren über den entsprechenden deutschen Produkten.

Damit reicht es für österreichische Stromkunden nicht aus, ausschließlich auf deutsche Marktpreise zu schauen.

Was bedeutet das für den Energieeinkauf?

Das aktuelle Marktumfeld zeigt erneut, warum der Versuch, den „richtigen“ oder gar günstigsten Einkaufszeitpunkt vorherzusagen, keine belastbare Beschaffungsstrategie darstellt.

Entscheidend ist vielmehr, Preisrisiken gezielt zu steuern und die Beschaffung auf Verbrauchsstruktur, Risikobereitschaft und Budgetanforderungen des Unternehmens abzustimmen.

Bei größeren Verbrauchsmengen können beispielsweise Tranchenmodelle sinnvoll sein, bei denen die benötigte Energiemenge nicht zu einem einzigen Zeitpunkt fixiert wird. Ebenso können Festpreis-, Spot- oder kombinierte Beschaffungsmodelle je nach Lastprofil und Risikostrategie unterschiedliche Vorteile bieten.

Gerade in volatilen Marktphasen gilt daher:

Nicht die kurzfristige Marktprognose, sondern eine klar definierte Beschaffungsstrategie sollte die Einkaufsentscheidung bestimmen.

KEE Consulting unterstützt Unternehmen und öffentliche Auftraggeber bei der Entwicklung von Beschaffungsstrategien für Strom und Gas, der Auswahl geeigneter Produkte, der Durchführung von Ausschreibungen sowie bei laufenden Preisfixierungs- und Beschaffungsentscheidungen.

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